24gramm


Wien/Österreich
 

Judith Benzer (*1981) und Anja Löffler (*1980)

 
GKT: Warum haben Sie sich entschieden Architektur zu studieren?


Judith: Meine Eltern haben in den 1990er-Jahren ein Haus in Feldkirch gebaut - die Planungsbesprechungen haben mich nachhaltig geprägt.

Anja: Wegen der Vielseitigkeit des Studiums und der Möglichkeit, kreativ tätig zu sein.

Was gab den Anstoß zur Bürogründung?

Der Wunsch, zusammen ein Büro zu gründen, hat sich bereits im Studium durch zahlreiche gemeinsame Entwürfe an der TU-Wien entwickelt. Ausschlaggebend für die Bürogründung waren zwei Projekte, durch die wir den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben: Ein Kleingartenhaus am Schafberg, das 2015 fertiggestellt worden ist, und ein Postverteilerzentrum in Tulln, für das wir einen Wettbewerb gewonnen haben.


Wie kamen Sie auf Ihren Büronamen?

24g/m² wiegt das transparente Skizzenpapier, auf dem die ersten Konzeptideen entstehen. Während des Planungsprozesses ist es ein stetiger Begleiter.

Die Transparenz in ihren unterschiedlichen Bedeutungen steht für unsere Herangehensweise an ein Projekt. Wir greifen die an uns gestellten Projektvorstellungen auf und legen unsere Ideen in mehrschichtig transparenten Ebenen darüber. Die Vorstellungen der AuftraggeberInnen bleiben dabei über den gesamten Projektverlauf als wesentliche Grundlage sichtbar. Die größtmögliche Identifikation mit dem Projekt als Ziel.
 

Die Arbeitsstätte von 24gramm

Was macht ihr Büro besonders?

Wir versuchen in allen Projekten herauszufiltern, welche Parameter wesentlich sind und lassen uns von diesen leiten. Dabei versuchen wir die Projekte auf eine logische Einfachheit zu reduzieren. Entwürfe entstehen in unserem Büro immer im Austausch miteinander. Dabei ergänzen wir uns sehr gut und treiben die Entwürfe gegenseitig immer weiter voran.


Wodurch wird Ihre Arbeit inspiriert?

Inspirationen für unsere Projekte sind die Gegebenheiten des Standorts (Ausrichtung, Lage, Ausblicke, Landschaft, gebaute Umgebung) sowie zahlreiche Gespräche mit der Bauherrschaft, um die für ihre Bedürfnisse bestmögliche, aber auch eine ressourcenschonende Lösung zu finden.


Wen sehen Sie als Mentor und warum?

Ich würde nicht sagen, dass wir einen Mentor haben, aber natürlich schätzen wir einige ArchitektInnen besonders. Unter anderem:
Peter Zumthor- aufgrund seines Umgangs mit rohen, ehrlichen Materialien
Valerio Olgiati- aufgrund seines feinen Umgangs mit Altbestand.

Welche Philosophie verfolgen Sie bei Ihrem Tun?

Unser Entwurfsziel ist Einfachheit und Klarheit, eine schlüssige Logik im Projekt umzusetzen. Dabei gilt es das ideale Maß der Architektur zu entwickeln, welches der Nutzung, dem Ort und dessen Identität und auch den Kosten entspricht. Ressourcenschonender Umgang mit Raum und Material sind wesentlicher Bestandteil unserer Planung. Unser Ziel ist es, funktionale Grundrisse zu entwickeln. Das Prüfen von räumlichen und funktionalen Zusammenhängen, Achsen, Blickbeziehungen, Aussichten und Einblicken steht dabei im Vordergrund..


Was bedeutet gute Architektur für Sie?

Gute Architektur ist für uns zeitlose Architektur, die nicht versucht einem Trend zu folgen. Gute Architektur entwickelt sich von innen heraus. Grundrisse und Raumlösungen, die im ersten Schritt bestmöglich an die NutzerInnen angepasst sind, jedoch ein gewisses Mass an Freiraum zulassen um auf Veränderungen reagieren zu können.


Welches bestehende Gebäude hätten Sie selbst gerne entworfen?

Villa Tugendhat in Brünn von Mies van der Rohe.
Das Gebäude ist ein gutes Beispiel für zeitlose Architektur. Das Raumgefüge funktioniert auch in der Gegenwart.
 
 

Was war das erste Projekt, das Sie mit 24gramm umgesetzt haben?

Ein Sommerhaus in Südburgenland. Aufgrund der Nutzung als Sommerhaus und späteren Einrichtung eines Weinkellers mit Produktionsflächen, orientiert sich das Gebäude an der Typologie eines in Südburgenland typischen Kellerstöckels.
Der Keller, welcher massiv ausgeführt ist, beinhaltet die Weinlagerung und Produktion. Die oberirdischen Räume dienen dem Wohnen und wurden als reiner Holzbau ausgeführt. Dabei wurden die Kreuzlagenholzelemente in Wohnsichtqualität neben der statischen Funktion auch als gestaltende Elemente im Innenraum wirksam. Als Gegengewicht stehen dem großflächig eingesetzten Werkstoff Holz Sichtbeton und Stahl als Materialien gegenüber. Die Materialien wurden bewusst unbehandelt und unverkleidet eingesetzt und bilden in ihrer Kombination eine homogene Raumwirkung.
Da das Sommerhaus in den Wintermonaten nicht bewohnt wird, wurde eine Hülle aus Lärchenrost entwickelt mit Klapp- und Faltläden vor Fenster und Türen, die komplett geschlossen werden kann. Wichtig hierbei war auch die scharfkantige Kubatur, die sich in ihrer Einfachheit und homogenem Erscheinungsbild in die Umgebung einfügt


Was denken Sie darüber, wenn Sie es heute betrachten?

Die Planung von Projekten bleibt bis zum tatsächlichen Beginn der Nutzung der Gebäude eine Prognose. Deshalb ist die Zeit nach der Fertigstellung eines Projektes immer für beide Seiten, Architektin und Bauherrschaft, sehr aufregend. Wenn die Entscheidungen, die man im Entwurfsprozess getroffen hat, in der gebauten Realität auch angenommen werden und funktionieren, dann ist das eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit. Beim Sommerhaus war das genauso. Es funktioniert, das ist schön zu sehen.

Welches war das bisher bedeutungsvollste Projekt, das Sie mit 24gramm realisiert haben?

Ein Kleingartenhaus am Schafberg – von einem ehemaligen Praktikanten „die Nonne“ genannt – welches 2015 fertiggestellt wurde.
Die Herausforderung bei diesem Projekt war eine nur sehr kleine bebaubare Grundfläche. Der Ansatz hierbei war den Eingang ins Obergeschoss zu verlegen und effizient mit Versorgungs- und Erschließungsflächen umzugehen. Dadurch konnte der Wohn-/Koch- und Essraum im Erdgeschoss, in dem sich die Bewohnerinnen am meisten aufhalten, größtmöglich ausgebildet werden. Durch eine 3m breite Schiebetüre wird der Wohnraum in den Sommermonaten um eine vorgelagerte Terrasse erweitert. Massive Brüstungswände und eine durchgehenden Betonbank im Wohnraum als auch auf der Terrasse lassen die Grenzen zwischen Innen- und Aussenraum verschwimmen.


Warum war es für Sie so wichtig?

Beim Kleingartenhaus war die besondere Herausforderung sehr effizient mit dem Raum umzugehen. Somit galt es eine gute Grundrisslösung zu entwickeln und auch mit der Planung von Tischlermöbeln jeden Platz auszunutzen. Daher konnte die Planung bei diesem Projekt sehr ins Detail gehen.
 

Mit wem (Architekt, Designer, …) würden Sie gerne mal ein Projekt verwirklichen?

Architektur in Kombination mit Kunstinstallationen (z.B. von Olafur Eliasson) fänden wir sehr spannend.


Wie sieht bei Ihnen die Mittagspause aus?

Wir gehen gerne zum Donaukanal essen. Unser Büro liegt am Ufer des Donaukanals, wo in den letzten Jahren viele kleine Lokale eröffnet haben.


An welchem Ort entstehen Ihre besten Ideen?

Das ist nicht ortsgebunden- oft sind es spontane Situationen, Eindrücke oder Gespräche, die Ideen zu Entwürfen entstehen lassen.
 


  
Daten

 

PartnerJudith Benzer (*1981)
Anja Löffler (*1980)
 
Gründungsjahr    2013
 
Anschrift

Herminengasse 1
1020 Wien
Österreich

 
Internet24gramm

 

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