Urbanes Gemeingut


Sabine Drewes

Die Auseinandersetzung über Urban Commons ist deswegen so spannend, weil sie die Debatte über öffentliche Güter neu belebt. Dabei geht es nicht nur um öffentlichen Raum, sondern auch um Dienstleistungen und Infrastrukturen. Der öffentliche Personennahverkehr, Abfallentsorgung und Wasserwirtschaft, Bildung, Gesundheit und in Teilen auch die Energieversorgung sind – zumindest in Deutschland – vielfach kommunal organisiert, teilweise durch Unternehmen, die einem öffentlichen Zweck unterliegen. Das aber ist umkämpfter Raum, denn Stadtwerke und andere kommunale Unternehmen konkurrieren auf diesen Gebieten mit privaten, die eben keinem öffentlichen Zweck verpflichtet sind, um Marktanteile oder kooperieren auch mit ihnen.

Die Rückbindung an eine demokratische Öffentlichkeit könnte eine viel größere Stärke der kommunalen Unternehmen sein, aber wer weiß etwas darüber und merkt etwas davon? Bei den großen Volksentscheiden in Berlin, sei es zur Energieversorgung oder zur Mietenentwicklung, geht es um genau diesen öffentlichen Auftrag städtischer Unternehmen, um die demokratische Einmischung in zentrale Funktionsbereiche der Stadt. Oder um die Nutzung großer öffentlicher Areale wie das Tempelhofer Feld.

Menschen, die über Commons nachdenken oder praktizieren, stellen bekannte Fragen erfrischend neu: Wer soll über was mitentscheiden dürfen? Wie entsteht Gemeinwohl? Sind räumliche Aneignungsprozesse demokratisch legitimiert? Wie verhalten sich öffentliche Güter, Daseinsvorsorge und Commons zueinander? Auch wenn man ein Stadtwerk nicht so betreiben kann wie einen urbanen Garten, sind aber die Fragen relevant und spannend. Wir möchten ihnen auf dem Make City Kongress nachgehen, in vielen Diskussionsforen, deren Gastgeberin unter anderem die Heinrich-Böll-Stiftung ist.
 


Sabine Drewes wurd 1966 geboren und studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Von 1194 bis 1997 arbeitete sie als freieberufliche Journalistin unter anderem für itty, DeutschlandRadio, Deutsche Welle Fernsehen, Canadian Broadcasting Corporation in Berlin. Von 1997-2002 war sie als Referentin für Publizistik bei Grüne/Alternative in den Räten Nordrhein-Westfalens (GAR-NRW) tätig.

Seit 2002 ist sie Referentin für Kommunalpolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung und seit 2007 Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung.Sabine Drewes ist Mitarbeiterin des Programmteams "Szenarien einer ökologischen Wende" und dort zuständig für klimagerechten Stadtumbau und energetische Gebäudesanierung.

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