Die aktuelle Ausgabe

07/08-2014

WOHNEN

DESIGN FÜR ALLE
Lilly Bozzo-Costa: Wohnen für Ältere – ist dazu Gestaltung notwendig? Jetzt mehr denn je! Ältere Menschen brauchen kluge Ideen.

Aktuell werden viele Altenheime, Seniorenheime und Residenzen für Best Ager gebaut oder saniert, trotzdem wollen die meisten älter werdenden Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben, so lange es geht. In der Architektur haben in diesem – eigentlich sensiblen Bereich – oft Raumprogramm, Finanzierung und Normen mehr Einfluss als der Mensch selbst. Der Freiraum für die individuelle Gestaltung der Räume bleibt in der Regel minimal. Der Innenraum ist aber sehr wichtig, wenn nicht sogar der wichtigste Teil. Vor allem ältere Menschen verbringen 80 Prozent ihrer Zeit zu Hause. In einem Gebäude, in dem die Räume gut durchdacht, geplant und möbliert sind, lässt es sich logischerweise besser wohnen und somit glücklicher und länger leben. Obwohl der Bedarf an ansprechenden Produkten – gestalterisch wie funktional – für ältere Menschen enorm hoch ist, ist auf den großen Design-Messen wie in Mailand, Köln und München noch nicht viel davon zu sehen. Dabei ist das Thema aktuell wie nie zuvor, in Deutschland werden in 20 Jahren mehr als 28 Millionen Menschen über 60 Jahre alt sein. Im Jahr 2011 habe ich in Zusammenarbeit mit den drei Hochschulen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Angewandte Kunst Schneeberg und Freie Universität Bozen das Thema in einem intensiven Projekt aufgegriffen: „Ü60 – Design für morgen“. Als Architektin ist es mir wichtig, interdisziplinär zu arbeiten und so haben in diesem Projekt Designstudenten mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen Produkte und Konzepte entwickelt. Als Hauptsponsoren konnte ich die Robert-Bosch-Stiftung und die Paul-Riebeck-Stiftung gewinnen, wodurch das Projekt überhaupt erst zustande kam.


Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

während in den letzten Wochen in erster Linie Spielminuten und Tore gezählt wurden, können wir uns nun – den Weltmeistertitel in der Tasche – wieder um anderes, nicht minder wichtiges Zahlenwerk kümmern! Wussten Sie, dass die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2030 um knapp fünf Millionen sinken wird? Dass in den nächsten Jahrzehnten jedes Jahr im Durch schnitt 270.000 Personen mehr in Rente gehen, als junge Arbeitnehmer nachrücken? Und dass unser aller Durchschnittsalter bis 2030 von derzeit 44 auf 48 Jahre steigen wird? Schrumpfende Einwohnerzahl geht einher mit älter werdender Gesellschaft – so etwas nennt man Demografie-Falle. Hier sind Politiker und Ökonomen aufgerufen, sich veritable Lösungswege zu überlegen, bevor diese Entwicklung in einer wirtschaftlichen Stagnation endet. Für Architekten und Innenarchitekten allerdings bedeuten die aktuellen Tendenzen eine Modifizierung der klassischen Bauaufgabe Wohnen. In Zukunft wird man kleinere Wohneinheiten benötigen, die komfortabler – sprich seniorengerecht – ausgestattet sind, Familienwohnen muss bezahl barer und flexibler gestaltet werden, die Durchmischung der verschiedenen Generationen wird zunehmend an Bedeutung gewinnen und sich in Grundrissplanung und Städtebau widerspiegeln. Deshalb ist unsere aktuelle Ausgabe zum Thema Wohnen gespickt mit entsprechenden Anregungen – von neuen Wohnungstypologien auf dem IBAGelände in Hamburg über Wohnungssanierungen und -umbauten in Barcelona, Essen und Berlin bis hin zu Familienwohnen in Potsdam, Freiburg und Meersburg. Unsere Autorin Lilly Bozzo-Costa fordert „Design für alle“ und wir zeigen seniorengerechte Produkte und intelligente Haustechnik für barrierefreies Wohnen und nicht zuletzt – funktionale und lustige Kindermöbel und ein Kinderküchen-Konzept!

Mit besten Grüßen
Petra Stephan, Dipl.-Ing.
Chefredakteurin
Architektin

Partner