AIT Charity
Mit "AIT-Charity" startet der Alexander-Koch Verlag ein völlig neues Projekt. Wir beschränken uns nicht mehr auf das rein journalistische Betrachten von Gestaltung oder den theoretischen Umgang mit der Materie in unseren Kongressen und Workshops. Wir setzen unsere weltweiten Kontakte und Netzwerke nun auch ein, um in einem Township Südafrikas jenen zu helfen, die die skandalösen Lebensumstände im Gastgeberland der Fußball-WM nicht akzeptieren. Gemeinsam mit dem Unternehmen Armstrong möchten wir Kindern in Kapstadt Hoffnung schenken: Mit Ihrer Unterstützung fördern wir im Jahr 2009 den Ausbau eines Waisenhauses in Township Langa, in dem Aidswaisen weit mehr als ein Dach über dem Kopf gefunden haben: ein Zuhause voll Liebe und Zuwendung und die Chance auf eine lebenswerte Zukunft.Gestalten im Township Langa/Kapstadt
Mit „AIT-Charity“ startet der Alexander Koch Verlag gemeinsam mit dem Unternehmen Armstrong ein völlig neues Projekt. AIT beschränkt sich nicht mehr auf das rein journalistische Betrachten von Gestaltung oder den theoretischen Umgang mit der Materie in Kongressen und Workshops – weltweite Kontakte und Netzwerke werden nun auch eingesetzt, um in einem Township Südafrikas jenen zu helfen, die die skandalösen Lebensumstände im Gastgeberland der Fußball-WM nicht akzeptieren. Wie das Charity-Projekt anläuft, weitergeht und die Teilnehmer ihre Erfahrungen schildern, lesen Sie hier. Dieses Mal berichtet Beda Faessler vom Architekturbüro Riken Yamamoto & Beda Faessler.

Leben auf engstem Raum in den
Townships, Cramped together
in a small space, life in the townships.
Es ist eine beklemmende Erfahrung, wenn abstrakte, schockierende Zahlen vor den eigenen Augen zur Realität werden. In der Schweiz betrug die Wohnfläche pro Einwohner im Jahr 2000 durchschnittlich 44 Quadratmeter. In den standardisierten Bungalow-Wohnungen der Townships, welche wir besichtigen konnten, dürfte pro Bewohner deutlich weniger als ein Quadratmeter der traurigen Realität nahe kommen. Dies entspricht wenig mehr als der unmittelbar notwendigen menschlichen Standfläche! Diese monströse Zahl war für mich bisher nicht erfassbar, während der Besichtigung wurde sie nun zur unmittelbaren körperlichen Realität.
Die während der Apartheid „Township“ genannten Arbeitersiedlungen waren ausschließlich für schwarze, männliche Arbeitskräfte aus ländlichen Zuwanderungsgebieten geschaffen worden. Für drei Männer wurde jeweils ein Schlafzimmer eingeplant, mehrere Zimmer zusammen erhielten eine einfache Wohn-Ess-Küche. Nach Abschaffung der Apartheid explodierte die Bevölkerungszahl in den Townships, begründet durch den Nachzug der gesamten restlichen Familien, ohne dass es zu entsprechenden räumlichen Veränderungen kam. Konkret musste damit eine einzige Schlafstelle, damals für einen Arbeiter gedacht, neu der ganzen Familie dienen – meist für beide Eltern und deren zahlreiche Kinder! Die Folge davon ist, dass das Leben der Menschen vorwiegend auf der Straße stattfindet. Man kann es sich regelrecht vorstellen, wie sich durch diese fehlenden Rückzugsräume die Gefahr des Abgleitens in die Kriminalität erhöht.
Die ganzen Umstände wecken traurige, fern gedachte Erinnerungen an unsägliche Geschichten vom Arbeiterelend in der Frühzeit der Industrialisierung Mitteleuropas. Hier ist dies jedoch die täglich zu erfahrende Realität. Eine Realität, welche kurz nach unserer Rückkehr mit Jagdszenen auf noch ärmere Flüchtlinge aus Simbabwe – die als Konkurrenz empfunden werden – stellenweise äußerst brutal eskalierte. Da beschämen einen die eigenen Qualitätsansprüche und bisher als selbstverständlich gedachten Luxusgüter...
t It is an oppressive experience when abstract, shocking figures become reality before one´s eyes. In Switzerland, the average per capita living area in 2000 was 44 m2. In the standardised bungalow flats of the townships, which we were able to visit, significantly less than one square metre per inhabitant comes near to the sad reality. This equates a little more than a human needs to stand upright! Previously, this monstrous figure was incomprehensible for me; now during the visit it became an immediate physical reality. The workers´ housing estates, during apartheid called "township", had been exclusively created for black working men from rural migration areas. One bedroom for three men each was intended, several rooms shared a simple eat-in kitchen.
After the abolishment of apartheid, the population numbers in the townships exploded due to the arrival of entire families following their male relatives without implicating the corresponding spatial changes. To be precise: A single place to sleep, originally intended for one worker, now had to suffice for a whole family - usually for both parents and their numerous children! The consequence is that people´s life primarily takes place on the streets. One can clearly imagine, how this lack of places to retreat increases the danger of slipping towards crime.
The circumstances awaken sad, remote memories of inexpressible stories about workers´ misery in the early days of industrialisation in Central Europe. However, here in South Africa it is daily reality to be experienced. A reality, which shortly after our return home escalated in some places into very brutal manhunts for even poorer refugees from Zimbabwe (who are considered as competitors). In view of these facts one is embarrassed by one´s own quality requirements and luxury goods we take for granted…

Beda Faessler, Jahrgang
‘62, hat in Zürich
Architektur studiert.
Seit 1997 führt er
zusammen mit Riken
Yamamoto
ein Architekturbüro.
Beda Faessler, born
in 1962, graduated as
architect from the
ETH Zurich and started
in 1997 the
collaboration with
Riken Yamamoto.
Nächster Termin: 21.03-24.03.2012
http://www.frontale.de
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